Warum?

Eine sehr häufige Antwort auf meine Versuche, Menschen gegen ein Verbot zu mobilisieren, die davon überhaupt nicht betroffen sind, lautet in etwa so: “Nur, weil ich Motorradfahrer bin, muss ich Kampfhunde noch lange nicht gut finden.” Oder “Nur, weil ich gerne Egoshooter spiele, muss ich noch lange nicht Paintball als Sport akzeptieren.” (Die Vorlieben oder Freizeitbeschäftigungen sind in solchen Aussagen beliebig austauschbar.)

Und, was soll ich sagen, natürlich stimmt das.

Jeder hat das Recht, Sachen doof zu finden. Es ist okay. Nur kein schlechtes Gewissen!

Aber das ist nicht der Knackpunkt. Problematisch wird es erst, wenn sich aus dem “doof finden” automatisch die Befürwortung eines Verbotes ergibt. Oder die stillschweigende Akzeptanz des Verbotes – was in einer Demokratie fast genauso schlimm ist, denn hier kann auch eine Minderheit ihren Willen durchsetzen, solange die Mehrheit nur ihre Füße still hält.

Damit ist die Frage, warum man sich für fremde Interessen einsetzen soll, noch immer nicht beantwortet. Aber das kommt jetzt:

Es sind keine fremden Interessen. Es sind die eigenen.

Verbote und Verbotsforderungen sind heute ein Trend, eine Mode, eine beliebte Form der Politik. Je öfter Politiker damit durchkommen, auf Probleme (und sei es auch nur das Problem der eigenen Unbeliebtheit) mit Verboten zu reagieren, desto öfter werden sie es auch versuchen. Wer diesen Blog hin und wieder liest, der weiss: Nichts ist mehr sicher. Ob Grillen im Park, Fahrradflicken am Strassenrand, Motorroller oder Glühbirnen – kein Verbot ist zu absurd oder zu sinnlos, um nicht gefordert oder sogar umgesetzt zu werden. Jeder kommt an die Reihe. Auch die Segler, Reiter, Radfahrer, Bogenschützen, Aquarianer und Fallschirmspringer. Versprochen!

Wer also z.B. eine Petition gegen ein Verbot unterzeichnet, obwohl er selbst nicht von diesem Verbot betroffen wäre, der tut trotzdem etwas für sich selbst. Er protestiert damit gegen den Verbotswahn, gegen Populismus und gegen eine Politik, die simple, plakative und sinnlose Maßnahmen für das bestmögliche Mittel zur Problemlösung hält.

Und wer mit dieser Gegenwehr wartet, bis er selbst unmittelbar betroffen ist, der kommt zu spät.

2 Antworten zu Warum?

  1. Pingback: Ein Philosoph über den Ursprung von Verbotspolitik « AllesVerboten.org

  2. Pingback: Tweets that mention Warum? « AllesVerboten.org -- Topsy.com

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