Kampfsport schuld an Amokläufen?

Ein Maßnahmenpaket gegen Amokläufe, dass dazu dienen soll „dass ein zweites Ereignis dieser Art weniger wahrscheinlich wird“, hat nun der Kreistag Rems-Murr verabschiedet (das ist die Region, in der Winnenden liegt). Neben sinnvollen Forderungen wie stärkerer Schulsozialarbeit fordert der Landkreis die „Ächtung von Waffen“ sowie das Verbot von „Killerspielen“ und „Ultimate Fighting“.

Die umstrittene Kampfsport-Veranstaltungsserie war in den letzten Monaten immer wieder Objekt von Kritik und Verbotsforderungen. Neu ist hingegen die (an den Haaren herbeigezogene) Verbindung zwischen Ultimate Fighting und Amokläufen. Womöglich haben die Gegner des UF einfach nur in den zweiten Gang geschaltet: Weil das mit dem „Jugendschutz“ begründete Verbot nicht durchzusetzen war, wird nun das Thema „Amokläufe“ ins Spiel gebracht.

Hier wird erneut deutlich, dass der Amoklauf von Winnenden verschiedenen politischen Kräften als Vehikel für ihre politische Agenda dient.

Selbst diejenigen Kampfsportler, die sich von Ultimate Fighting (Mixed Martial Arts – MMA) distanzieren, sollten sich nicht in Sicherheit wiegen. So wie eine Forderung nach einem „Killerspielverbot“ leicht auf RPGs (Rollenspiele) wie „World of Warcraft“ ausweitbar ist , so wie die Waffengegner mittlerweile verhindern wollen, dass 14-jährige das olympische Luftgewehrschiessen erlernen, so könnte z.B. auch die Jugendarbeit im Boxen, Judo oder Karate ins Visier der „Verbotsforderer“ geraten. Denn schliesslich habe „Gewalt in den Köpfen von Kindern nichts zu suchen“, wie es Dr. Hofreiter von den Grünen bei Abgeordnetenwatch in aller Deutlichkeit formuliert.

Quelle: „Paket gegen den Amokwahnsinn“ (Backnanger Kreiszeitung) via Stigma Videospiele

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11 Kommentare

Eingeordnet unter Killerspiele, Verbote

11 Antworten zu “Kampfsport schuld an Amokläufen?

  1. maSu

    Zitat:
    […]So wie ein “Killerspielverbot” leicht auf Strategiespiele wie “World of Warcraft” ausweitbar ist[…]
    /Zitat

    Soll das Ironie/Sarkasmus/Zynismus sein/werden? Ich hoffe doch Ô_ô

  2. mrshakar

    Ich finde, Ultimate Fighting ist ein weiterer, primitiver Auswuchs des Sensationsverlangens der Gesellschaft. Ich begrüße diese Entwicklung bzgl. des Ultimate Fighting nicht, ich finde das, was ich davon bisher gesehen habe, gar recht reizlos. Fakt ist aber, Sensationslust gab es schon immer, wird es immer geben und gehört zu unserer Gesellschaft dazu. Nur ist die Sensationsschwelle, verursacht durch die Medienlandschaft und den höheren Informationszufluß, deutlich gestiegen. Vieles, was früher die Sensationslust der Menschen befriedigte, reicht heute nicht mehr aus. Aus genau diesem Grund kommt es zu Entwicklungen die zum Ultimate Fighting und vielen anderen aktuellen sensationsbefriedigenden Angeboten geführt haben.

    Das ist alles ganz normal, wage ich zu behaupten. Um das Problem mit den Amokläufen zu lösen, muß man woanders ansetzen. Man sollte nach Defiziten im direkten sozialen Umfeld suchen, diese analysieren und mit anderen Umfeldern vergleichen. Kinder und Jugendliche brauchen Halt, Führung, jemanden, der ihnen erklärt, wie was läuft in der Gesellschaft, denn nur so können sie ein konstruktiver Teil selbiger werden. Medienpädagogik ist dabei unerläßlich. Verbote allerdings sind der falsche Weg. Verbote sind ein Zeichen der pädagogischen Hilflosigkeit, der Aufgabe. Man sucht damit den vermeintlich bequemen Weg. Nur, Verbote funktionieren in der heutigen Zeit nicht. Die Welt ist schließlich kein Dorf mehr. Und die Neugier gehört zum Menschsein, insbesondere zur Menschwerdung dazu und beflügelt alles. Verbote sind was für Eltern. Nur was, wenn die Eltern von all dem nichts wissen…
    Es soweit nicht kommen zu lassen hat höchste Priorität.

  3. maSu

    ich kann in der Meldung nirgends die Aussage finden WoW sei ein Strategiespiel 😉 und das meinte ich eigentlich. Die WoW-Geschichte ist ja schon älter und auch peinlich.

  4. Pingback: Alles verbieten! « jayblog.

  5. Was für ein Unsinn man sich da wieder hat einfallen lassen – Kampfsport und Amokläufe…
    Hat einer von denen schon mal von einem Amoklauf gehört, der ohne Schusswaffen durchgeführt würde oder dabei jemand nach „Jean Claude van Damme -Art“ jemanden zu Tode geprügelt hat?
    Ich mache nun selbst Kampfsport und kann dazu zu eines sagen: Wirkliche Kampfsportler haben Disziplin und sind sich durchaus bewusst, welchen Scahden sie jemandem zufügen können, wenn sie ihre Fähigkeiten missbrauchen. In unserem Sport werden die neuen Mitglieder sehr gut beobachtet und werden sofort aus dem Training entfernt, wenn wir merken das sich jemand damit auf der Straße prügeln will.
    Ich halte die Behauptung schlichtweg für hirnrissig und völlig unhaltbar und den Kampfsportlern gegenüber respektlos.
    Bei Ultimate Fighting ist bei mir die Grenze deutlich gezogen, denn das ist schlichtweg ein sinnloses herumprügeln und hat mit Sport nichts zu tun. Aber deshalb etwas verbieten weil man es selbst nicht mag – dann würde ich Skateboards und Tennis verbieten-sofort.
    Also völliger Unsinn, darüber sind wir uns doch wohl einig.

    • AllesVerboten.org

      Hi, es gibt leider genug Beispiele für Amokläufe ohne Schusswaffen. Z.B. 6 Tote in einer Schule in Südafrika, Tatwaffe Machete, kurz nach Winnenden. Oder das Mädchen in St. Augustin mit den selbstgebauten Mollies.

  6. Meyer

    Was hat World of Warcraft in der Kategorie „Killerspiele“ zu suchen? Es hat weder was mit der Realität, noch mit Gewalt zu tun. Gewalt im Alltag ist etwas ganz anderes. Was denken sich diese Leute? Wenn World of Warcraft verboten wird, herrscht Weltfrieden?

  7. Pingback: Kommentar zu „Kampkunst schuld an Amokläufen“ « Sihing Alex Hammer's Blog

  8. … auch wenn ich mich unbeliebt mache: bei selbstkritischer Betrachtung dürfte Gewalt doch auch was mit Männlichkeitsidealen zu tun haben Mein Vater hat mir dieses „Mission Boys4peace“ Buch gekauft – da gehen einem schon die Augen auf ..

    LG Bernd

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