Flaschenverbot – ein Erfolgsmodell?

Seit über einem halben Jahr gilt auf der Hamburger Reeperbahn im Rahmen des erweiterten „Waffenverbots“ ein Verbot von Glasflaschen. Nun plant u.a. die örtliche SPD-Fraktion in Düsseldorf ebenfalls ein Glasflaschenverbot einzuführen:

Am weitesten gehen derzeit die Sozialdemokraten. Sie berufen sich auf positive Erfahrungen, die die Hamburger Polizei mit einem ähnlichen Vorstoß auf der Reeperbahn gemacht hat.

Da will ich doch gleich nochmals auf den sagenhaften Erfolg des Hamburger Projekts hinweisen.

Bezeichnend dafür ist vielleicht folgende Pressemeldung der Polizei Hamburg:

Der 31-jährige Täter nahm plötzlich eine Glasflasche, zerschlug sie und versetzte dem 25-Jährigen damit einen Schlag gegen den Kopf. Der 25-Jährige wurde dadurch nicht verletzt. Der Täter setzte dann seinen Weg in die Reeperbahn fort.

Die beiden Freunde gingen hinter dem Täter her, um ihn zur Rede zu stellen. In der Reeperbahn drehte sich der Täter um und warf einen Bistrostuhl nach den beiden Männern. Der Stuhl verfehlte die beiden knapp. Der 31-Jährige nahm einen weiteren Stuhl und traf damit den 26-Jährigen ins Gesicht, der sofort zu Boden sackte. Der 31-Jährige lief anschließend auf den am Boden liegenden Geschädigten zu und versetzte ihm noch einen Faustschlag ins Gesicht. Dann lief der Täter in Richtung Hans-Albers-Platz davon.

Ein alarmierter Notarzt versorgte den 26-Jährigen und während der Erste Hilfe-Maßnahmen entdeckte der Bekannte des Verletzten den Täter. Der 31-Jährige wurde vorläufig festgenommen. Der 26-Jährige kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Ob diese Tat ohne Flasche glimpflicher ausgegangen wäre?

Stühle, Fäuste, Gläser, Stiefel, Ellenbogen oder ganz einfach illegal hereingeschmuggelte Flaschen oder „Waffen“: Die Liste der Tatmittel auf der Reeperbahn ist lang, und die verschiedenen Verbote führen weder zu einer sinkenden Geawaltbereitschaft noch zu weniger Opfern. Sie erzeugen lediglich ein fragiles Sicherheitsgefühl, das sich aber nach 10 Minuten Aufenthalt auf der Meile schleunigst in Wohlgefallen auflöst.

Zurück bleiben wie immer das wohlige Gefühl, „etwas“ getan zu haben, und ein paar sehr teure Kaltgetränke.

Zusatz: Die Hamburger Innenbehörde hat kürzlich eine Ausweitung des Flaschenverbots auf das Schanzenviertel abgelehnt. Die Begründung enthält doch tatsächlich längst vergessen geglaubte Begriffe wie „Verhältnismäßigkeit“ und „Grundrechte“.

Sollte da etwa u.a. das Freiburger Urteil ein Signal gesetzt haben, mit dem das dortige Alkoholverbot gekippt wurde:

Nach Ansicht des VGH ist dieses Alkoholverbot von der Generalermächtigung des Polizeigesetzes nicht gedeckt. Diese erlaube eine selbst geringfügige Freiheitseinschränkung durch Verordnung nur, wenn typischerweise von jedem Normadressaten auch eine Gefahr ausgeht. Die Feststellung einer Gefahr verlange eine in tatsächlicher Hinsicht abgesicherte Prognose.

Es besteht wohl noch Hoffnung.

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Eingeordnet unter Reeperbahn, SPD, st. pauli, Uncategorized, Verbote, waffen

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