Symbolfoto: Endlich mal ein echter „Kampfhund“

Die Hamburger Morgenpost (Mopo) ist für ihre hundefeindliche Berichterstattung bekannt, bei der auch mal gerne eine pischernde Hündin zum kackenden Köter (in der Bilderstrecke) wird. Durch einen Beißvorfall auf einen Spielplatz bot sich nun wieder die Chance, das Thema „gefährliche Hunde“ auszubreiten. Eigentlich ist es schlimm genug, wenn ein Hund zwei Kinder und ihre Mutter beisst. Sowas darf nicht passieren (das sage ich als Hundebesitzer und Vater). Der Mopo war dieser Vorfall aber wieder nicht dramatisch genug, und so musste ein Symbolfoto her:

Passend zur Überschrift „Schäferhund greift Kinder und Mutter an“ sieht man das Portrait eines ausgewachsenen belgischen Schäferhundes (Malinois) mit der charakteristischen und auf viele Menschen bedrohlich wirkenden schwarzen „Maske“ mit aufgerissener Schnauze und gefletschtem Gebiss.

Jetzt weiss der Mopo-Leser, woran er ist, und kann sich etwas unter dem in der Überschrift erwähnten „Schäferhund“ vorstellen. Es besteht kein Zweifel: Einer dieser „bösen Schäferhunde“ hat mal wieder Leute angefallen.

Mich machte das schwarze Geschirr stutzig, das am linken unteren Bildrand zu sehen ist, und so googelte ich nach „dpa Foto Schäferhund“. Ich wurde schnell fündig: Das Foto (hier unbeschnitten in einem Artikel der SZ) zeigt einen militärischen Einsatzhund der Bundeswehr. Einen echten „Kampfhund“ sozusagen. (Ironischerweise geht es aber auch in diesem Artikel in der SZ nicht um Bundeswehr-Diensthunde sondern um die ausgerissenen Schäferhunde eines Mitglieds der Hells Angels).

Wie weit diese Foto-Auswahl wirklich neben der Realität liegt, wird dann (immerhin) im letzten Absatz des Mopo-Artikels deutlich. Dort wird der beissende Hund beschrieben als „10 Monate junger Schäferhund (Australien Shephard-Mix)“. Die beiden Schreibfehler in der Rassenbezeichnung darf man getrost als Indiz dafür werten, dass sich der Mopo-Redakteur nicht mal die Mühe gemacht hat, den Begriff „Australian Shepherd“ zu googeln – denn sonst wüsste er, dass es sich  zwar um einen Schäferhund handelt, aber um einen ausgesprochen zierlichen, der im Alter von 10 Monaten ungefähr so aussehen könnte.

Eigentlich ist so ein Vorfall die Bestätigung dafür, dass Beissvorfälle nicht mit „Rasselisten“ bekämpft werden können und damit ein Argument gegen das auf ebensolchen Listen basierende Hamburger Hundegesetz. Die Mopo (als eine treibende Kraft hinter diesem Gesetz) sorgt aber mit ihrem Symbolfoto einmal mehr dafür, dass die Angst vor „Schäferhunden“ wächst.

Wem es wirklich darum geht, die Gefahr von Beissvorfällen zu verringern, der sollte eines bedenken: Die Dämonisierung bestimmter „gefährlicher“ Rassen bewirkt gleichzeitig, dass Eltern und Kinder gegenüber „niedlichen“ fremden Hunden umso argloser (und respektloser) sind, was zu brenzligen Situationen führen kann. Man kann Hunde eben (ebensowenig wie Menschen) nicht einfach nach ihrer Rasse beurteilen.

UPDATE: Laut neuesten Meldungen handelt es sich um einen „Schäferhund-Australian-Shepherd-Mix“. 

Falls es sich also doch um einen „klassischen Schäferhund“ handelt, hat der Redakteur mit der Bildauswahl halbwegs einen Glückstreffer gelandet, wenn auch die Verwendung der beschnittenen Abbildung eines Einsatzhundes der Bundeswehr als Symbolfoto nicht wirklich seriös ist.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Hunde

Eine Antwort zu “Symbolfoto: Endlich mal ein echter „Kampfhund“

  1. Andreas

    Ja, genau so manipuliert die deutsche Presse. Die MoPo ist sicher ein extremer Fall, aber andere „arbeiten“ genauso.
    So geht es uns Legal-Waffenbesitzern schon seit Jahren. Bilder, Zitate etc. werden aus dem Ausland genommen oder aus dem Zusammenhang und es wir daraus eine Horror-Story für’s dumme Wahlvieh gebastelt. Alles schön link, im wahrsten Sinne des Wortes.

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