Licht am Ende des Tunnels: Bahn entscheidet sich gegen Symbolismus

Lange herrschte beim Thema „Alkoholverbot“ die reine Symbolpolitik, z.B. beim Hamburger Nahverkehrsverbund HVV, der Vandalismus und Angriffe auf Fahrgäste mit einem Alkoholverbot verhindern wollte und nach 6 Monaten lediglich „weniger herumliegende leere Flaschen in den Zügen“ als Erfolg vermelden kann.

Die Argumente der Verbotsgegner in Politik und Gesellschaft waren immer gleich:

  • Der Alkoholkonsum ist nicht das Problem sondern die schweren Straftaten, die teils von alkoholisierten Menschen begangen werden
  • Ein Trinkverbot hindert niemanden daran, sich vorher woanders zu betrinken
  • Ein Trinkverbot trifft vor allem den Angestellten auf dem Heimweg, der ein Feierabendbier trinken möchte oder die Oma-Reisegruppe mit dem Piccolöchen.
  • Straftaten werden dann verhindert, wenn man gezielt gegen diese vorgeht und sie ahndet, anstatt ein paar Schilder aufzuhängen
  • Alkoholverbote sind symbolische Ersatzhandlungen für echte Gewaltprävention

Zudem entpuppte sich das von Verbotsfreunden gerne zitierte Beispiel des privaten Bahnunternehmens „Metronom“, das nach einem Alkoholverbot eine Senkung der Straftaten meldete, als Mogelpackung: Zeitgleich zum Alkoholverbot wurden dort in den Zügen nämlich auch private Sicherheitsdienste eingesetzt. Das erklärt die gestiegene Sicherheit.

Diese Argumente gegen Alkoholverbote schien auf taube Ohren zu stossen, bis jetzt.

Die Bahn erteilt einem Alkoholverbot in ihren Fernzügen eine klare Absage und übernimmt dabei die Argumentation von Verbotsgegnern praktisch zu 100%:

Nach Ansicht der Deutschen Bahn sind das Problem in Zügen nicht Fahrgäste, die sich dort betrinken, sondern die, die bereits angetrunken einsteigen. Zudem sei Alkohol im Zug besser als am Steuer.

Die Deutsche Bahn (DB) hat entschieden, ihren Fahrgästen im Regional- und Fernverkehr auch in Zukunft den Genuss von alkoholischen Getränken zu gestatten – gleichzeitig plant der Konzern jedoch, gegen Randalierer, die unter anderem unter dem Einfluss von Alkohol Mitreisende bedrängen, deutlich schärfer als bislang vorzugehen.

Ein guter Tag für die Vernunft. Hoffentlich hat diese Entscheidung Signalwirkung auf andere Verbotsdiskussionen.

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