Gute Tote, schlechte Tote

Wieder ist jemand durchgedreht und hat unschuldige Menschen ermordet. Und wieder werden Rufe nach „schärferen Waffengesetzen“ laut.

Viele Medien und Politiker erwecken regelmäßig den Eindruck, als käme ihnen ein mit legalen Waffen begangener Amoklauf gelegen, um das Thema „Waffengesetz“ wieder auf die Tagesordnung zu setzen, noch bevor die Opfer bestattet sind.

Allerdings sollte man sich auch mal fragen, wie diese neuen schärferen Waffengesetze aussehen sollen.

In Deutschland kann nicht mal das strengste Kriegswaffenkontrollgesetz verhindern, dass jemand Arsenale anhäuft, von denen auch die hartgesottensten „Gun-Nuts“ in den liberalsten US-Staaten nur träumen können. Die Sammlung von „Pulver-Kurt“ ist nur ein Beispiel. Und selbst ganz ohne Schusswaffen und Sprengstoff lässt sich amoklaufen, wie dieses Beispiel aus dem strengen Japan zeigt. Besonders lange halten sich solche Fälle allerdings nicht in den Schlagzeilen, eben weil sich daraus keine politische Forderung ableiten lässt. Die fünf Toten bei einer Wohnungsräumung in Deutschland verschwanden schlagartig aus der Berichterstattung, als klar wurde, dass der Täter doch (wie zunächst berichtet) kein Jäger war sondern sein Arsenal auf dem Schwarzmarkt erworben hatte. Und erinnert sich noch jemand an den Doppelmord in der Arztpraxis?

Waffengesetze zum Gegenstand einer Diskussion zu machen und regelmäßig (ergebnisoffen) auf den Prüfstand zu stellen ist in einer demokratischen Gesellschaft natürlich legitim. Aber die Art und Weise der Diskussion legt nahe, dass es vielen gar nicht um die Verhinderung von Amokläufen geht sondern um ideologische Gründe.

Einen kleinen Hinweis auf Ideologie liefert beispielhaft der folgende Ausschnitt aus dem offiziellen Kabinettsentwurf zum 2001 verschärften Waffengesetz:

“ … Zu § 8 (Bedürfnis, allgemeine Grundsätze)

…. Waffen sind demnach Gegenstände, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, zur Befolgung der Gesetze gegen Bürger eingesetzt zu werden ….“

Für Ideologen mit einem solchen Gesellschaftsbild sind mit „legalen Waffen“ ermordete Opfer natürlich sehr nützlich.

Sterben Menschen durch illegale Schusswaffen oder andere Tatmittel, so gibt es kaum mehr Aufregung oder Betroffenheit als bei einem schweren Autounfall mit vergleichbarer Opferzahl. Es sind sozusagen Tote zweiter Klasse.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Verbote, waffen

2 Antworten zu “Gute Tote, schlechte Tote

  1. Pingback: Wozu Waffen wirklich da sind : Filterblog

  2. Blaudunst

    Das Problem ist, dass manche Menschen (nicht wenige) gerne verschiedenen Objekten die Schuld für alles geben. Waffen, Computerspiele, Spielautomaten, Filme, Drogen oder Alkohol sind plötzlich „schuld“ und die „armen Bürger“ müssen davor geschützt werden. Also lieber gleich alles verbieten.
    Das ist eine recht krumme Logik. Objekte, Sachen oder Stoffe können eigentlich nie „schuld“ sein, das sind doch nur leblose Gegenstände… Schuld oder nicht schuld können nur die Menschen sein, die sie benutzen, misbrauchen, oder sich zu sehr von ihnen beeinflüssen lassen.
    Man kann mit einem Messer Brot schneiden oder einen Menschen töten. Man kann Alkohol geniessen, oder so viel trinken, bis man sich unter dem Tisch übergeben muss. Allein der Mensch entscheidet, was mit „seinen“ Objekten geschieht.
    Die Politik, die Objekte verbieten will, ist realitätsfremd und kindisch, Solche Verbote sind immer Scheinlösungen, ein Zeichen der Fantasielosigkeit und weitestgehend ineffizeint. Wer Menschen regieren will, muss sie zuerst verstehen.

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